Zwar erlebt die Nation seit rund 10 Jahren ein starkes Wirtschaftswachstum, die großen Ungleichheiten aufgrund von Kastenzugehörigkeit und Geschlecht bestehen dennoch weiter. Etwa 35% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Besonders die Kinder haben darunter zu leiden.
2009 lag die Sterberate von Säuglingen bei 30,2 pro 1.000 Lebendgeburten. Die meisten sterben an Infektionskrankheiten wie Masern, Lungenentzündung, Durchfall und Tetanus. In vielen Fällen kommt Mangelernährung als Ursache hinzu. Jedes dritte Kind in Indien ist untergewichtig – besonders Mädchen leiden häufig an Mangelernährung. Auch Malaria und HIV/AIDS kosten jedes Jahr viele Kinder das Leben.
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Bildung und Kinderarbeit. Jedes fünfte Kind geht nicht zur Schule, und nur ein Viertel der Mädchen und Jungen machen einen Grundschulabschluss. Fast täglich berichtet die indische Presse über die Ausmaße wirtschaftlicher Ausbeutung von Kindern. Die Verstoßliste gegen das offizielle Verbot von Kinderarbeit, wie es im „Child Labour Prohibition and Regulation Act“ von 1986 festgeschrieben wurde, ist lang. In Bezug auf das Mindestalter legte die indische Verfassung fest, dass kein Kind unter 14 Jahren in einer Fabrik oder einem Bergwerk arbeiten oder sonstige gefährliche Arbeiten verrichten darf.
Die indische Regierung hat das Problem der Kinderarbeit mittlerweile erkannt und entsprechende Abschaffungsmaßnahmen eingeleitet. Die Umsetzung ist bisher jedoch nur teilweise gelungen.
Wie viele Kinder letztlich in Indien arbeiten müssen, um für den Lebensunterhalt ihrer Familien mit beizutragen, weiß niemand genau. Schätzungen reichen von 17,5 Millionen (indische Regierung), 44 Millionen (Vereinte Nationen) bis 75 Millionen (UNICEF). Sicher ist nur: Kinderarbeit ist in Indien Alltag.
Kinder zwischen 4 und 15 Jahren arbeiten 7 Tage die Woche bis zu 14 Stunden, meist für 30 Cent pro Tag. Sie schuften in Steinbrüchen, knüpfen Teppiche, stellen Feuerwerkskörper und Streichhölzer her, arbeiten in der Glas- und Messingverarbeitung, nähen Kleidung für die Textilindustrie, bringen Tee oder durchsuchen Abfälle nach Verwertbarem. Viele Mädchen arbeiten oftmals abgeschieden von der Außenwelt als Prostituierte oder als Hausangestellte in Mittelschichtfamilien.
Bei der Arbeit werden Kinder oft nicht nur Prügel, sondern auch gesundheitsschädlichen und gefährlichen Umgebungen ausgesetzt. Die Folgen reichen von Skoliose über Lungenkrankheiten und gekrümmte Körperhaltung durch zu schweres Heben bis hin zu Infektionskrankheiten und Ekzemen. Die Kinder, die dem wehrlos ausgeliefert sind, haben meist nur eine Lebenserwartung von 35 bis 38 Jahren.
Die Situation auf dem Land, wo 90 % der indischen Kinder arbeiten, gestaltet sich kaum besser. Entweder werden sie von den Eltern getrennt und in Indiens Großstädte zur Arbeit geschickt oder in ein Leben der Schuldknechtschaft gezwungen. Viele Eltern hoffen, dass ihre Kinder in den Städten eine bessere Zukunft erwartet. Das Versprechen der Arbeitsvermittler, für einen Schulbesuch werde gesorgt, wird nicht eingehalten. So bleibt den Kindern die Aussicht auf eine menschenwürdige Zukunft von Anfang an verwehrt.
Helfen Sie mit, den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Werden Sie Pate!
(Quellen: Wikipedia, UNICEF, WHO, UNO, UNFPA)