Ein Drittel der indischen Bevölkerung, rund 400 Millionen Menschen, ist unter 18 Jahre alt. Offiziell gehen 5 bis 12 Millionen Kinder nicht zur Schule, Menschenrechtsorganisationen gehen jedoch von etwa 30 Millionen aus.
Dennoch hat sich in den vergangenen 10 Jahren dank Hilfsorganisationen und Bildungsinitiativen einzelner Bundesstaaten einiges getan: Zum einen wird mehr auf die frühkindliche Entwicklung geachtet. In vielen staatlichen Grundschulen wurden vorschulische Einrichtungen für unter Sechsjährige eingerichtet.
Außerdem wird gemäß dem Millenniumsentwicklungsziel der UNO, „Bildung für alle“ (Education for All), der Ausbau des nicht-formalen Bildungsbereichs gefördert: Bis 2007 fünf Jahre Grundschule für alle Kinder; bis 2012 acht Jahre Elementarbildung für alle Kinder.
Für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren besteht die allgemeine Schulpflicht. Kinder dieser Altersgruppe müssen für öffentliche Bildungseinrichtungen kein Schulgeld bezahlen, da diese staatlich finanziert sind. Trotzdem scheitert der Schulbesuch oft an den Kosten für die vorgeschriebene Schuluniform, Unterrichtsmaterialien oder das Geld für den Schulbus. Deshalb verweigern Eltern oft Mädchen den Schulabschluss, weil sie bevorzugt dem Sohn eine Bildung ermöglichen wollen. Damals wie heute reicht die Bildung der Bevölkerung kaum über die Grundschule hinaus.
Die staatlichen Grundschulen in Indien genießen keinen besonders guten Ruf. Bislang sind die Klassen an staatlichen Schulen stets überfüllt; die Lehrer sind meist schlecht ausgebildet oder erscheinen nicht zum Unterricht. Laut einem Bericht der Weltbank von 2004 fiel ein Viertel aller Unterrichtsstunden aus.
Der Qualitätsunterschied zwischen staatlichen und privaten Schulen ist enorm. Während Privatschulen in der Wissensvermittlung mit europäischen Schulen mithalten können, wird das Niveau an öffentlichen Schulen immer schlechter. Daher haben Kinder an privaten Schulen später wesentlich bessere Berufsaussichten.
In Indien existieren mehrere Schulformen: staatliche, semi-staatliche und private, sowie formale und nicht formale Institutionen (z. B. Abendschulen). Sie alle sind nach der Grundstruktur Zehn-Plus-Zwei aufgebaut, d. h. zehn Jahre Schulausbildung bis zur Sekundarstufe und zwei sich anschließende Jahre in der Oberstufe.
Vorschule für Kinder ab 2 Jahre:
In Indien gibt es Vorschulen, die an eine Privatschule angegliedert sind.
Der Unterricht richtet sich an Kinder zwischen 2 und 10 Jahren.
Die so genannte Pre-School dauert 3 Jahre und beginnt meist vor der Grundschule. Je nach Schule heißen diese Pre-Nursery, LKG (Lower Kindergarden) und HKG (Higher Kindergarden). In diesen 3 Jahren lernen Kinder lesen und schreiben – je nach Schultyp Englisch und Hindi (bzw. der Regionalsprache) und einfaches Rechnen.
In vielen Schulen gibt es bereits erste Prüfungen. In der Pre-Nursery stehen u. a. Reime und Lieder, sowie Malen und Basteln auf dem Unterrichtsplan.
Da die Vorschulen gebührenpflichtig sind, werden sie vorwiegend von Kindern aus der Mittel- und Oberschicht besucht.
Grundschule und Gesamtschule für Kinder von 6 bis 17 Jahren
Kinder ab sechs besuchen für fünf Jahre die Primary School (entsprechend der deutschen Grundschule). Sie teilen sich auf in staatliche und private Schulen.
Anschließend folgt die Secondary School (6.-10. Klasse, für Kinder zwischen 11-15 Jahre) und später die Higher Secondary School (11.-12. Klasse für Jugendliche von 16-17 Jahren). Generell hat Indien ein 12-Klassen Schulsystem mit zwei landesweiten Prüfungen nach der 10. und der 12. Klasse.
Nach Stufe 12 beginnen viele Schulabgänger ein Studium, auf das sie in den letzten Jahrgangsstufen gezielt vorbereitet wurden. Ähnlich wie in Deutschland ist die Fächeranzahl in den ersten 10 Jahren sehr groß, während die beiden letzten Jahre zur Vertiefung eines bestimmten Zweigs dienen (z. B. Geistes-, Natur- oder Wirtschaftswissenschaften). Geschichte und Erdkunde werden erst ab der 9. Klasse als eigenständige Fächer unterrichtet. Bis dahin gilt das Fach „Social Studies“, wobei die Weltgeschichte kaum vermittelt wird.
Die Unterrichtssprache an Schulen ist entweder die Lokalsprache (Hindi, Punjabi, Marathi, Tamil, Kannada, etc.) oder Englisch. Hier wird zwischen Hindi-Medium (ggf. eine andere Lokalsprache) oder Englisch-Medium Schools unterschieden. English-Medium Schools sind weitaus beliebter, da die meisten Inder möchten, dass ihre Kinder Englisch sprechen.
Monatliche Kosten für eine Schulausbildung Je nach Schule liegen die monatlichen Kosten für eine indische Schulausbildung zwischen 12 und 25 Euro. In der Gebühr sind die Schuluniform, Lehrbücher und die Schulgebühr enthalten.
Nach einem erfolgreichen Schulabschluss können Inder ein Universitätsstudium für Kunst, Naturwissenschaften oder Handelswesen beginnen. Der Andrang auf indische Eliteuniversitäten ist groß, insbesondere auf eine der sieben technischen Universitäten. Von den 200.000 Bewerbern werden jedes Jahr nur 4000 aufgenommen. Verschiedene College-Schulen bieten einen Fachhochschulabschluss (Bachelor) in den Bereichen Medizin oder Handwerk. Die Bildungsphase an weiterführenden Schulen dauert zwischen drei und fünf Jahren.
In Indien gibt es staatlich anerkannte Ausbildungszentren, wo junge Menschen zu Schneidern, Kfz-Mechanikern, Schweißern, Drehern, Elektrikern oder IT-Fachleuten ausgebildet werden. Andere Schulen bieten eine Ausbildung für Krankenschwestern und Lehrer.
(Quellen: TAZ Artikel 10.4.2009, Die Welt 5.12.2008, UNICEF, UNO)